Theater Till konfrontiert mit Gewalttaten

Seine Mutter arbeitete als Kassiererin bis ein vietnamesischer Geschäftsmann den Laden übernimmt und die Frau kündigt. Klaus konnte das nicht ertragen.

Echte emotionale Ablehnung rassistisch-motivierter Gewalt, bevor der Nazi-Schläger Klaus (2.v.l.) sich als Schauspieler offenbart.

Mit drei Kameraden dringt er in den Laden ein, bricht dem neuen Inhaber die Hand und schlägt den Kopf der 14jährigen Kassiererin mehrmals auf die Kasse. "Bevor ich mich unterkriegen lasse, haue ich lieber einen von denen weg", begründet der Mann seine Gewalttat.

So oder so ähnlich hat sich die Tat vor einigen Jahren in Rostock zugetragen. Am Montag erzählte ein Schauspieler vor über 200 Schülern des Ludwig-Erhard-Berufskollegs von diesem ausländerfeindlich motivierten Überfall. Er ist einer von fünf Darstellern der Agentur "Mensch - aber wie?" des Theater Till aus Meerbusch. Die Gruppe konfrontiert Schüler mit verschiedenen Gewalttaten, um anschließend mit ihnen darüber zu diskutieren. Die Erzählungen gehen unter die Haut, sie polarisieren, emotionalisieren und erzeugen tatsächliche Wut bei den Schülern. Zum Teil entstehen hitzige Wortgefechte. Erst danach lösen die Schauspieler die Situation auf.

Das über einstündige Theaterstück ist als Diskussion getarnt. Ganz bewusst sollen die Schüler im Unklaren gelassen werden, um sich besser in die Gewalttäter und Opfer hineinversetzen zu können. "Wir wollen die Schüler damit emotional ansprechen. So sollen sie auch ihr eigenes Verhalten reflektieren", erläutert Ansgar Sindermann, Lehrer am Berufskolleg. "Gerade durch die, im Stück angesprochene, rechte Gewalt hat die gesamte Thematik eine hohe Bedeutung. Im Nachgespräch haben die Schüler es zum Teil auch auf die Situation Geflüchteter hier bei uns in Deutschland übertragen", ergänzt Markus Speich, ebenfalls Lehrer am LEBK. 

Mit dem Unterrichtsbegleitmaterial "Das Monster in mir" werden verschiedene Aspekte von Gewalt nun im Politikunterricht aufgearbeitet, um für Gewalt - auch in der Schule - zu sensibilisieren.

Den Großteil der Kosten trägt die Unfallkasse NRW. Der Förderkreis des LEBK unterstützt das Projekt ebenfalls mit 400 Euro.